Unfallchirurgie

Unter Unfallchirurgie wird keinesfalls nur die heute hochentwickelte operative Behandlung von Knochenbrüchen
verstanden. Vielmehr muss das Gesamtbild des verunfallten Patienten erfasst und sorgfältig im Behandlungsplan
berücksichtigt werden. Bei dessen Erstellung stehen das Erkennen und sofortige gezielte Beheben lebensbedrohlicher
Faktoren im Vordergrund, gefolgt vom Erfassen weniger gefährlicherer Begleiterkrankungen und dem Ausmaß der
Schäden an Knochen-, Weichteil- und Nervenstrukturen. Klinische Untersuchung, Röntgen, Ultraschall, Labor,
Elektrokardiogramm und Computertomographie werden dafür, je nach Art und Ausmaß des Schadens, angewandt.

Die chirurgische Versorgung von Unfallfolgen selbst hat einen weiten Bogen zu umspannen und erfordert Wissen und
Erfahrung der Chirurgen, ein großes Ausrüstungs- und Implantatesortiment, das stets griffbereit sein muss, und nicht
zuletzt ein professionell geschultes Team. Diese Voraussetzungen sind in unserer Klinik gegeben. Unsere Chirurgen
mit langjähriger Operationserfahrung auf diesem Gebiet, Dr. Günter Schwarz und Dr. Frank Wagner, sind Diplomates
des European College of Veterinary Surgeons und schulen sich wie auch das Ärzte- und Helferteam der Klinik laufend
in den Standard- wie auch neuen Techniken der Unfallchirurgie. Dr. Günter Schwarz ist Mitglied des tier- wie auch des
humanmedizinischen Arbeitskreises für Osteosynthesefragen (AO), im In- wie auch Ausland oftmals eingeladener
Sprecher auf einschlägigen Fachtagungen und Kursen und organisiert und moderiert seit Jahren die renommierten
und international besuchten Kurse der AOvet, der tiermedizinischen Sektion der AO International, in Salzburg.

Im Weiteren wollen wir einige Fallbeispiele verunfallter Tiere vorstellen. Sollten Sie Fragen zu einzelnen Fällen oder
zu Techniken und deren Anwendbarkeit haben, kontaktieren Sie uns bitte.

Fall 1

3-jähriger Jagdhund nach Autounfall. Die Elle und die Speiche des linken Unterarms sind gebrochen. Die Frakturzone
liegt sehr knapp über dem Handwurzelgelenk und ist durch Knochensprünge (sog. Fissuren) im gesamten unteren
Drittel der Speiche verkompliziert. Da ein Gipsverband in solchen Fällen nur selten zum Erfolg führt, wurde eine
operative Frakturversorgung mit einer an der Innenseite angelegten Knochenplatte und winkelstabilen Schrauben
durchgeführt. So versorgte Tiere sind innerhalb weniger Wochen wieder voll einsatzbereit.

Elle und Speiche gebrochen, Frakturversorgung

Fall 2

„Xandl“, ein 6-jähriger Appenzeller-Mischlingsrüde war vom Freilaufen in den Weingärten lahmend zurückgekehrt
und hat innerhalb einiger Stunden Atemnot und eine starke Aufblähung des Unterhautgewebes entwickelt.
Bei der Notfallversorgung und gleichzeitigen diagnostischen Aufarbeitung wurde festgestellt, dass Xandl
angeschossen worden war und die Luft durch eine Schussverletzung der Luftröhre in das Unterhautgewebe
austreten konnte. Zwei Operationen retteten Xandls Leben: Nach operativem Verschluss der Luftröhren- und
gleichzeitig vorliegenden Speiseröhrenverletzung konnte die Schussfraktur des Schulterblattes mit einer
komplizierten Knochenbruchversorgung stabilisiert und damit die Schultergelenksfunktion wiederhergestellt werden.

Schussverletzung, Luftröhre, Unterhautgewebe, Knochenbruchversorgung Schussverletzung, Luftröhre, Unterhautgewebe, Knochenbruchversorgung

Fall 3

Ein 1-jähriger Jagdhundrüde wurde nach Autounfall mit nicht stehfähiger Hinterhand vorgestellt. Bei der
Röntgenuntersuchung zeigte sich, dass ein mehrfacher Trümmerbruch des Beckens, der auch die rechte
Hüftgelenkspfanne betraf, vorlag. Durch eine Computertomographie konnte eine sehr präzise operative
Frakturversorgung geplant und erfolgreich durchgeführt werden. Dabei kam eine der anatomischen Situation
besonders gut anpassbare Spezialplatte mit winkelstabiler Verschraubung zum Einsatz.
Nicht operativ versorgte Frakturen dieser Art würden unweigerlich zu einer Hüftgelenksarthrose und schweren
Verkrüppelung des Patienten führen.

Autounfall, Hinterhand, Trümmerbruch des Beckens, Hüftgelenkspfanne Autounfall, Hinterhand, Trümmerbruch des Beckens, Hüftgelenkspfanne